Realität in einer Story

Aus Scientia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Einleitung

Gut, Sie haben sich also dazu entschlossen, eine eigene Geschichte zu schreiben, um sie in einem RPG einzubauen? Das ist fein. Sie haben auch schon einen möglichen Anfang der Geschichte im Kopf und würden am liebsten sofort los makern? Das ist sehr schön, doch leider haben Sie dabei noch etwas vergessen. Und zwar die Tatsache, dass Ihre Geschichte so oder so in einer kompletten Welt spielt. Und überall auf dieser Welt muss es Glauben, verschiedene Städte, vielleicht Königreiche, Quadranten, Sektoren oder Provinzen geben. Diese haben alle einen Namen. Es gibt Gebirge, es gibt Flüsse, Meere, Polarkappen… Verschiedene Tierarten und ihre Eigenarten, Forschung… Bedenken Sie, dass Sie möglicherweise eine neue Welt erschaffen (außer, Sie beschließen, beispielsweise ein Spiel über den ersten Weltkrieg zu machen, bei dem schon etliches vorgegeben ist). Anfänger machen häufig den Fehler, sofort los zu bauen, Maps zu erstellen und mit Lichteffekten und Scripts von anderen um sich zu werfen. Doch bevor man sich den Maps widmet, sollte man erst einmal über die Vegetation und den Baustil auf seinem Planeten oder in seiner Zeit nachdenken. Einige denken sich auch zuerst einen Helden aus und setzen ihn dann in eine Welt, bzw. erschaffen eine Welt um ihn herum. Diese Vorgehensweise halte ich für nicht so intelligent, da man die Welt so für den Helden Maß schneidert. In 90 % aller Spiele käme die Welt jedoch auch ganz gut ohne den Helden aus. Demnach ist es gescheiter, eine Welt zu erstellen und irgendwo dort den Helden einzusetzen. Um ein Abenteuer oder eine Welt zu erstellen, muss man sich ein paar Fragen stellen, die wie folgt aussehen könnten:

Wann und wo?

Erstmal sollten Sie sich entscheiden, welches Genre Sie vertreten? Science-Fiction, Liebesgeschichte, Action oder ein Drama? Wenn Sie soweit sind, geht es weiter. Welches Jahr ist es? In welcher Galaxie oder auf welchem Planeten spielt die Handlung statt? Welcher Kontinent oder welche Raumstation? Wird man im Spiel reisen können? Wenn ja, wohin? Wenn nein, wieso nicht? Zu wenig Geld, gibt es überhaupt Transportmittel? Welchen Hintergrund haben diese Tatsachen? Vielleicht einen Zusammenfall der Wirtschaft? Weshalb kam es dann so?

Technischer Stand und Magie?

Gibt es Autos? Gibt es Magier, vielleicht sogar beides? Tierwelt, Wesen, Monster, Dämonen? Wenn es noch immer Magier gibt, werden sie dann verfolgt, oder nutzt man sie für wissenschaftliche Zwecke? Denken alle, Magie sei nur ein Ammenmärchen, doch in Wirklichkeit gibt es einige Sekten, in denen wirkliche Magie praktiziert wird? Wenn zum Beispiel alle Technik abgeschafft wurde, welchen Grund hat dies dann? Hat sich die Kirche durchgesetzt und alle Technik verboten? Wenn ja, warum? Wenn nein, was dann?

Völker und Religion?

Gibt es noch Religion, oder ist sie gänzlich verschwunden. Glaubt der ganze Planet an einen Gott, oder ist er mit verschiedenem Glauben gespickt? Welche Völker gibt es? Wikinger, Asiaten, Römer? Wo leben sie, an was glauben sie? Sind sie Nomaden, oder sesshaft? kriegerisch oder friedlich?

Städte und Dörfer?

Wo gibt es Städte und Dörfer, wie groß sind diese? Wer ist Bürgermeister und warum? Gibt es dort eine Demokratie? Sind die Städte unabhängig, oder gehorchen alle dem Befehl der Regierung des Landes (der Provinz)? Wie hoch sind die Steuer, welche Gesetze gibt es?

Berufe?

Als was kann man arbeiten, wie ist die Bezahlung, gibt es eine hohe Arbeitslosenzahl? Sind Monsterjäger angesehene Menschen oder sind sie eher verachtet, weil sie sich einen verfluchten Beruf ausgesucht haben? Kann man den Beruf überhaupt frei wählen, oder wird einem bei der Geburt gesagt, was man tun soll?

Sie sehen, alles muss einen Hintergrund haben. Je lückenloser Ihre Welt vorbereitet wurde, des so weniger Fragen hat der Spieler, und des so zufrieden stellender und realistischer ist die Umgebung des Helden. Sie müssen nicht alles aufschreiben, aber eine Mappe mit Notizen wäre nicht schlecht. So können Sie später im Zweifel immer noch mal nachschauen und so Logikfehler vermeiden. Beispielsweise wird am Anfang gesagt, es gäbe schon lange keine Religion mehr, und irgendwo im Spiel taucht dann ein Kloster auf. So etwas sollte nicht passieren.

Wer ist der Held?

Jetzt geht es an die wirklich wichtige Arbeit: den Helden. Er ist der Kern Ihrer Geschichte, da man ihn durch das ganze Spiel begleitet und lieb gewinnen sollte. Wann wurde er geboren, wie ist seine Familie? Erstellen Sie einen Lebenslauf für Ihren Helden, in dem alles Wichtige aufgeführt ist, seine Taufe, sein Geburtstag, seine Lieblingsmusik, seine Hobbys, usw. Wer sind seine Freunde, wie hat er sie kennen gelernt, ist er vergeben, wenn nein, warum? Ordnen Sie ihm einen Charakter zu, wie lustig, gutmütig, hilfsbereit, oder eher doch langweilig, böswillig und egoistisch. Ein total egoistischer Mensch würde zum Beispiel niemals auf die Idee kommen, die alte freundliche Dame im Bus auf seinen Platz zu lassen, oder für einen Freund die Hausaufgaben zu machen. Vielleicht wurde er in der Vergangenheit betrogen und hat deshalb kein Vertrauen mehr zu seinen Mitmenschen?

Machen Sie Skizzen

Zeichnen Sie viel. Es muss nicht gut aussehen, aber Sie sollten verstehen, worum es geht. Zeichnen Sie Skizzen von Menschen, dem Helden, Gegenständen, Fahrzeugen und Häusern an. Landkarten des ganzen Planeten, Rüstungen von den Schlosswachen, und und und. So verzetteln Sie sich später nicht mehr so leicht. Es muss ja zum Beispiel einen Grund haben, warum die Flaggen der Provinz „Knatschi-Batschi" rot sind… vielleicht deshalb, weil rot eine Warnfarbe ist und die Knatschi-Batschi als Krieger weit im Land bekannt und gefürchtet sind? Haben Sie wirklich alles in diese Richtung hin überdachte und sich bestenfalls alles notiert, können Sie endlich mit dem erstellen eigener Ressourcen und Musikstücke anfangen, oder? NEIN, noch nicht! Es fehlt nämlich noch etwas: Die Handlung!

Was passiert?

Wann passiert denn überhaupt etwas in Ihrer Geschichte, wo steigt der Spieler ein, was sieht er? Wie soll die Story enden? Schreiben Sie einen groben Verlauf der Geschichte, in dem Sie alles festlegen. Wann bekommt der Spieler neue Infos, die ihm Hinweise auf die Pläne einer bösen Sekte geben, wo belauscht er einen General, der über einen bevorstehenden Krieg zu eine Prostituierten spricht? Bauen Sie Wendungen und Überraschungen in Ihren Verlauf ein, vielleicht verliebt sich der Held auch? Achten Sie darauf, dass man nicht von Anfang an erahnen soll, wie es enden wird, in so einem Fall ist die Geschichte flach und muss noch einmal überarbeitet werden. Sie sehen, es gibt so unendlich viele Möglichkeiten… Es ist auf jeden Fall ganz wichtig, dass man eine Zusammenfassung der Story schreibt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man ansonsten schnell die Lust verliert, weil man irgendwann nicht weiter kommt und einem die Ideen fehlen. Machen Sie sich vorher Gedanken um die Geschichte, denn sie ist der Haupt-Aspekt eines Spieles! Sie können noch so tolle Grafiken und Animationen haben, ohne die richtige Story ist alles sinnlos und nicht viel mehr als ein nettes Bild. Ihre Geschichte muss fesselnd sein! Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt:

Die Atmosphäre

Soll Ihre Geschichte ein Drama werden, wäre es höchst unpassend, wenn Vögel zwitschern, während die große Liebe des Helden von einer Klippe fällt oder sein Dorf in Flammen aufgeht. Ein Horror-Spiel wäre daneben sehr schlecht vorbereitet, wenn dort Super Mario-Musik vorkommt, oder? Achten Sie auf den richtigen Einsatz von Gestik, Sprache und Hintergrundmusik, sowie Soundeffekten. Testen Sie viel und versuchen Sie, sich zu verbessern. Wenn Sie alles vorbereitet haben, lassen Sie Freunde noch mal alles überlesen und Kritik anbringen. Kritik ist sehr wichtig für Ihr Spiel, da es den Leuten ja gefallen muss. Sie sollten deshalb versuchen, alle Kritik-Punkte zu beherzigen. Ist die Story soweit perfekt, geht es mit der Technik los. Welche Features verwenden Sie?

  • eigenes Menü
  • eigenes Kampfsystem

Nun, das ist sehr schön, doch können Sie das auch umsetzen, bzw. haben Sie schon jemanden, der Ihnen dabei hilft? Wenn nicht, dann sollten Sie sich andere Features einfallen lassen. Was ist mit Sprachen? Gibt es das Spiel auch auf Englisch? Wer übernimmt die Übersetzung? Wollen Sie selbst Charaktere zeichnen? Können Sie das überhaupt? Erst, wenn Sie wirklich alles überdacht haben, sollten Sie loslegen. Vielleicht merken Sie beim planen, dass diese Story nichts für Sie ist. Gut, denn dann haben Sie Aufwand gespart. Ein paar Notizen zu krakeln ist nicht so aufwendig, wie schon 50 Maps gebaut zu haben, nicht wahr? Es gibt noch etliche Sachen mehr zu beachten, doch das war es jetzt erst einmal von meiner Seite aus. Wenn Sie Vorschläge für die Verbesserung dieses Tutorials haben, dann lassen Sie es mich bitte wissen. Ich wünsche Ihnen viel Glück beim makern.

Mit freundlichen Grüßen
Klip – Tobias Eilert